Spermienqualität verbessern

Spermienqualität verbessern

Etwa jedes dritte Paar mit unerfülltem Kinderwunsch hat zumindest teilweise eine männliche Ursache für die ausbleibende Schwangerschaft. Deshalb ist es wichtig, dass sich der Mann genauso früh untersuchen lässt wie die Frau, wenn eine Schwangerschaft auf natürlichem Weg länger ausbleibt.

Die wichtigste Untersuchung ist zunächst ein Spermiogramm. Dadurch können mögliche Ursachen frühzeitig erkannt werden und es geht keine wertvolle Zeit verloren.

Bei einem Spermiogramm werden die Samenprobe und verschiedene Eigenschaften der Spermien anhand der Referenzwerte der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beurteilt.

Untersucht werden unter anderem:

  • Ejakulatvolumen: mehr als 1,5 ml
  • pH-Wert: zwischen 7,2 und 8,0
  • Spermienkonzentration: mindestens 15 Millionen Spermien pro ml
  • Gesamtzahl der Spermien: mindestens 39 Millionen pro Ejakulat
  • Beweglichkeit (progressive Motilität): mindestens 32 % der Spermien bewegen sich aktiv vorwärts
  • Morphologie: mindestens 4 % der Spermien sind normal geformt
  • Vitalität: mehr als 50 % der Spermien sind lebendig

(Die Referenzwerte können sich mit neuen WHO-Leitlinien ändern. Entscheidend ist daher immer die Beurteilung durch den behandelnden Arzt.)

Mögliche Befunde eines Spermiogramms

Normozoospermie
Alle gemessenen Werte liegen innerhalb der Referenzbereiche der WHO.

Oligozoospermie
Es befinden sich zu wenige Spermien im Ejakulat.

Asthenozoospermie
Die Beweglichkeit der Spermien ist eingeschränkt.

Teratozoospermie
Zu wenige Spermien sind normal geformt.

Oligoasthenoteratozoospermie (OAT-Syndrom)
Es liegen gleichzeitig zu wenige, zu wenig bewegliche und zu wenige normal geformte Spermien vor.

Azoospermie
Im Ejakulat befinden sich keine Spermien.

Aspermie
Trotz Orgasmus wird kein Ejakulat abgegeben.

Mehr Informationen über den Ablauf eines Spermiogramms findest du hier : https://www.familie.de/kinderwunsch/spermiogramm/

Eine Diagnose zunächst zu verarbeiten ist genauso wichtig

Pascale Chartrain, Heilpraktikerin für Psychotherapie, zert. BKiD Kinderwunschberaterin, zert. EMDR-Traumatherapeutin (VDH) und Trauerbegleiterin

Ein eingeschränktes Spermiogramm oder insbesondere die Diagnose einer Azoospermie ist für viele Männer zunächst ein Schock.

Neben den medizinischen Fragen entstehen häufig Gefühle von Enttäuschung, Hilflosigkeit, Schuld, Wut oder Angst vor der Zukunft. Viele Männer erleben die Diagnose als persönliches Versagen und sprechen nur ungern darüber. Gleichzeitig möchten sie ihre Partnerin vor ihrer eigenen Enttäuschung schützen. Dadurch geraten beide oft in einen Kreislauf des Schweigens, obwohl sie sich eigentlich gegenseitig Halt geben könnten.

Auch für die Partnerin ist die Diagnose häufig sehr belastend. Viele Paare erleben in diesem Moment, dass sich ihre Vorstellungen vom gemeinsamen Kinderwunsch plötzlich verändern. Oft folgt auf die Diagnose eine weitere große Herausforderung: die Entscheidung, wie der gemeinsame Weg zum Wunschkind aussehen kann.

Vielleicht besteht die Möglichkeit, die Spermienqualität noch zu verbessern. Vielleicht wird eine Kinderwunschbehandlung wie eine IVF oder ICSI notwendig. Oder bei einer Azoospermie steht möglicherweise die Frage im Raum, ob eine Behandlung mit einer Samenspende für euch infrage kommt.

Diese Entscheidungen brauchen Zeit. Deshalb ist es wichtig, die Diagnose zunächst zu verstehen und ihr auch emotional Raum zu geben. Erst danach fällt es den meisten Paaren leichter, gemeinsam die nächsten Schritte zu planen.

In meiner Praxis begleite ich Männer, Frauen und Paare dabei, diese belastende Situation zu verarbeiten, ihre Fragen zu klären und den für sie passenden Weg zu finden.

Beratung und Begleitung nach der Diagnose Azoospermie

Eine Diagnose wie eine Azoospermie wirft häufig viele Fragen auf. Oft müssen innerhalb kurzer Zeit Entscheidungen getroffen werden, auf die sich die meisten Paare nicht vorbereitet fühlen.

Gemeinsam können wir unter anderem folgende Fragen besprechen:

  • Was bedeutet die Diagnose für euch persönlich?
  • Gibt es starke Gefühle wie Traurigkeit, Schuldgefühle oder Hilflosigkeit, die zunächst Raum brauchen und verarbeitet werden möchten, bevor ihr euren weiteren Weg gut für euch entscheiden könnt?
  • Welche weiteren medizinischen Untersuchungen oder Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
  • Möchtet ihr eine Kinderwunschbehandlung wie eine IVF oder ICSI in Betracht ziehen?
  • Wie erlebt ihr beide die Aussicht auf eine Kinderwunschbehandlung – emotional, organisatorisch und finanziell?
  • Welche Möglichkeiten gibt es, wenn ihr eine Behandlung möglichst ohne Hormone durchführen möchtet?
  • Welche Fragen möchtet ihr eurem Kinderwunscharzt oder eurer Kinderwunschärztin stellen?
  • Könnte eine Behandlung mit einer Samenspende für euch infrage kommen? Was bedeutet das für euch als Paar und für euer zukünftiges Kind?
  • Möchtet ihr euch über Adoption oder ein Pflegekind informieren?
  • Wie könnt ihr als Paar mit den unterschiedlichen Gefühlen und Bedürfnissen umgehen, die in dieser Situation häufig entstehen?

Ganz gleich, für welchen Weg ihr euch entscheidet: Mir ist wichtig, dass ihr eine Entscheidung trefft, die sich für euch beide richtig anfühlt und die ihr langfristig mittragen könnt.

Was kannst du selbst tun, um deine Spermienqualität zu unterstützen?

Die gute Nachricht ist: Bei manchen Männern lässt sich die Spermienqualität positiv beeinflussen. Das gelingt nicht in jedem Fall, denn die Ursachen einer eingeschränkten Fruchtbarkeit sind sehr unterschiedlich. Dennoch zeigen wissenschaftliche Studien, dass bestimmte Veränderungen des Lebensstils, eine ausgewogene Ernährung oder – je nach Ursache – auch eine gezielte medizinische Behandlung die Spermienqualität verbessern können.

Ein gesunder Lebensstil ist dabei eine gute Grundlage – für dich selbst und für euren gemeinsamen Weg zum Wunschkind.

Wichtig ist dabei etwas Geduld: Die Entwicklung neuer Spermien dauert etwa drei Monate. Deshalb zeigen sich mögliche Veränderungen in einem Spermiogramm meist erst nach diesem Zeitraum.

Im Folgenden findest du Hinweise aus der wissenschaftlichen Literatur, die dir Anregungen geben können. Einige Maßnahmen sind gut wissenschaftlich belegt, andere werden derzeit noch erforscht. Nicht jeder Hinweis wird für jeden Mann gleichermaßen sinnvoll oder wirksam sein. Sprich deshalb insbesondere bei Nahrungsergänzungsmitteln oder bestehenden Erkrankungen mit deinem Arzt.

Einen gesunden Lebensstil pflegen

Auch bei den Spermien weiß man inzwischen, dass Stress – zum Beispiel durch Überarbeitung, große Sorgen, Schlafmangel oder Jetlag – einen negativen Einfluss auf die Beweglichkeit der Spermien haben kann.

Ebenso gehören Rauchen, Alkohol, Cannabis und andere Drogen zu den Faktoren, die die Spermienqualität nachweislich verschlechtern können. Sie können sich unter anderem auf die Anzahl, Beweglichkeit und Form der Spermien auswirken.

Ein Übergewicht zu reduzieren wirkt sich häufig positiv auf die Fruchtbarkeit aus. Fettgewebe produziert unter anderem Östrogene und kann dadurch den Hormonhaushalt beeinflussen.

Du kannst zum Beispiel:

  • täglich 7.000 Schritte gehen,
  • häufiger Treppen statt den Aufzug nutzen,
  • eine Bushaltestelle früher aussteigen,
  • das Auto etwas weiter entfernt parken,
  • regelmäßig spazieren gehen (trägt zu den 7.000 Schritten bei).

Versuche möglichst acht Stunden zu schlafen. Während des Schlafes regeneriert sich der Körper und wichtige Hormone werden neu gebildet. Das unterstützt nicht nur die Fruchtbarkeit, sondern wirkt sich auch positiv auf die allgemeine Gesundheit aus.

Hitze möglichst vermeiden

Die Hoden liegen außerhalb des Körpers, weil die Spermienproduktion eine etwas niedrigere Temperatur benötigt.

Deshalb können häufige Saunagänge, heiße Vollbäder oder dauerhaft starke Hitze die Spermienbildung beeinträchtigen.

Lege dein Handy möglichst nicht direkt in die Hosentasche und arbeite nicht längere Zeit mit dem Laptop auf deinem Schoß.

Medizinische Ursachen abklären

Eine Krampfader am Hoden (Varikozele) gehört zu den häufigsten behandelbaren Ursachen einer eingeschränkten Spermienqualität. Deshalb sollte sie bei einem auffälligen Spermiogramm ärztlich ausgeschlossen werden.

Auch nach hohem Fieber kann sich die Spermienqualität vorübergehend verschlechtern. Da die Neubildung der Spermien etwa drei Monate dauert, empfiehlt sich häufig ein Kontroll-Spermiogramm nach diesem Zeitraum.

Wenn du regelmäßig Medikamente einnimmst, sprich mit deinem Arzt darüber, ob sie deine Fruchtbarkeit beeinflussen könnten.

Für die folgenden Empfehlungen gibt es wissenschaftliche Hinweise auf einen möglichen positiven Einfluss auf die Spermienqualität. Die Studienlage ist jedoch nicht immer eindeutig. Manche Männer profitieren davon, bei anderen lässt sich keine Verbesserung feststellen.

Eine hormonfreundliche Ernährung unterstützen

Auch die Ernährung scheint einen Einfluss auf die Spermienqualität zu haben. Einige Studien deuten darauf hin, dass eine ausgewogene, möglichst naturbelassene Ernährung die Spermienbildung und die DNA-Qualität der Spermien unterstützen kann.

  • Achte möglichst auf Bio-Obst und Bio-Gemüse, um die Aufnahme von Pestiziden zu reduzieren.
  • Wenn du Fleisch isst, bevorzuge möglichst Fleisch aus artgerechter Haltung und reduziere stark verarbeitete Wurstwaren.
  • Trinke Getränke möglichst aus Glasflaschen. Dadurch verringerst du den Kontakt mit einigen Weichmachern, die im Verdacht stehen, das Hormonsystem zu beeinflussen.
  • Manche Inhaltsstoffe in Kunststoffen, Verpackungen oder Kosmetika können hormonähnliche Wirkungen haben. Welche Bedeutung dies für die Fruchtbarkeit im Alltag tatsächlich hat, wird derzeit noch erforscht.
  • Vermeide möglichst eine regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Paracetamol ohne medizinische Notwendigkeit. Einige Studien weisen auf einen möglichen Einfluss auf die Spermienproduktion hin.

Mein persönlicher Tipp
Wenn ihr euch etwas Gutes tun möchtet, trinkt doch gemeinsam eine Tasse ungesüßten Bio-Kakao mit Mandelmilch. Kakao enthält unter anderem Zink, Magnesium, Mangan und Kupfer – und manchmal tut schon dieses kleine gemeinsame Ritual in einer belastenden Kinderwunschzeit gut.

Mikronährstoffe können unterstützend wirken

In verschiedenen Studien wurden unter anderem folgende Mikronährstoffe mit einer verbesserten Spermienqualität oder einer besseren DNA-Qualität der Spermien in Verbindung gebracht:

  • Vitamin C (möglichst aus natürlichen Quellen)
  • Vitamin E (z. B. Weizenkeimöl, Mandeln oder Haselnüsse)
  • Zink
  • Omega-3-Fettsäuren
  • Selen
  • Ubiquinol (die gut verfügbare Form von Coenzym Q10)
  • L-Carnitin
  • L-Taurin
  • Kupfer
  • Mangan

Ob eine Nahrungsergänzung sinnvoll ist, hängt von deiner Ernährung und möglichen Mangelzuständen ab. Sprich deshalb am besten mit deinem Arzt oder deiner Ärztin darüber.

Auch die DNA-Qualität der Spermien spielt eine wichtige Rolle

Heute weiß man, dass nicht nur die Anzahl und Beweglichkeit der Spermien entscheidend sind. Auch die DNA-Qualität der Spermien kann Einfluss auf das Entstehen und den Verlauf einer Schwangerschaft haben.

Vor allem bei wiederholten Fehlgeburten oder mehreren erfolglosen IVF- oder ICSI-Behandlungen kann es sinnvoll sein, mit dem Kinderwunschzentrum über einen DNA-Fragmentationstest zu sprechen. Er gehört bislang nicht zur Standarddiagnostik, kann aber in bestimmten Situationen zusätzliche Informationen liefern.

Ich habe erlebt, dass manche Männer ihr Spermiogramm nach einigen Monaten tatsächlich verbessern konnten, während sich bei anderen trotz aller Bemühungen keine Veränderung zeigte. Deshalb lohnt sich ein Versuch – aber ohne sich selbst unter Druck zu setzen.

Für einige Maßnahmen gibt es erste interessante Forschungsergebnisse. Ob sie die Spermienqualität tatsächlich verbessern können, muss jedoch noch weiter untersucht werden.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Erdung (Grounding)
  • MACA
  • der Vitalpilz Cordyceps
  • weitere Naturstoffe und Nahrungsergänzungsmittel

Manche Männer berichten von positiven Erfahrungen. Ob die Verbesserungen tatsächlich auf diese Maßnahmen zurückzuführen sind, lässt sich wissenschaftlich derzeit jedoch noch nicht sicher sagen.

Fazit

Wie du siehst, gibt es verschiedene Möglichkeiten, deine Spermienqualität positiv zu unterstützen. Nicht jede Maßnahme wirkt bei jedem Mann gleichermaßen und leider lässt sich eine eingeschränkte Fruchtbarkeit nicht immer beeinflussen. Dennoch kann es sich lohnen, einige der wissenschaftlich gut untersuchten Empfehlungen konsequent umzusetzen.

In meiner Praxis habe ich erlebt, dass sich das Spermiogramm bei manchen Männern nach einigen Monaten tatsächlich verbessert hat. Bei anderen blieb es trotz aller Bemühungen unverändert. Deshalb möchte ich keine falschen Hoffnungen wecken – aber genauso wenig vorschnell aufgeben.

Unabhängig davon, wie sich dein Spermiogramm entwickelt, hast du deinem Körper mit einem gesünderen Lebensstil etwas Gutes getan. Und vielleicht bist du dadurch nicht nur körperlich, sondern auch mental gestärkt für euren weiteren Weg zum Wunschkind.

Ich bin für euch da

Sollte euch die Diagnose oder die weiteren Entscheidungen stark belasten, begleite ich euch gern dabei, die Situation gemeinsam zu verarbeiten und euren persönlichen Weg zu finden. Ob es um eine Kinderwunschbehandlung, eine Samenspende oder andere Möglichkeiten geht – ihr müsst diese Entscheidungen nicht allein treffen.

Als zertifizierte BKiD-Kinderwunschberaterin beantworte ich gern eure Fragen und begleite euch auf eurem weiteren Weg. Ich bin auch für die Beratung für Behandlung mit Samenspende zertifiziert.

Gern können wir in einem kostenlosen Kennenlerngespräch gemeinsam schauen, ob ich euch bei eurem Anliegen die passende Begleitung bieten kann.