Tipps bei Trauer nach negativen IVF/ICSI für Paaren mit anschließendem Ritual.

Sie haben sich viel Mühe bei der Behandlung gegeben und alles getan, was zu tun war. Doch nun halten Sie einen negativen Schwangerschaftstest in der Hand. Oder die Kinderwunschklinik hat ihnen mitgeteilt, dass es kein HCG gibt. Sie sind enttäuscht, wütend oder sehr traurig: Die gut aussehende Blastozyste hat sich nicht einnisten können. Vielleicht fühlen Sie sich ganz leer? Diese Leere und die Trauer nach einer negativen IVF oder ICSI sind vollkommen normal und dürfen da sein.

Hier möchte ich Ihnen ein paar Tipps für Sie und Ihren Partner*in geben, wie Sie mit der Trauer nach einer negativen IVF oder ICSI umgehen können. Ich schlage Ihnen am Ende auch ein gemeinsames kleines Ritual vor. Rituale helfen loszulassen und können besonders heilsam sein, wenn der Schmerz nach einer fehlgeschlagenen Kinderwunschbehandlung noch frisch ist.

Tipps für die Frauen mit Trauer nach einem negativen IVF- oder ICSI-Versuch:

Sie haben während der Wartezeit nach dem Transfer alles richtig gemacht

Ob der Embryo sich einnistet oder nicht, können Sie leider nicht beeinflussen. Natürlich haben Sie kein Trampolin genutzt, keine Bungeesprünge oder Extremsport gemacht, sondern gut auf sich aufgepasst. Genau das war richtig. Mehr können Sie nicht beeinflussen, als für sich selbst die beste Mutter in der Wartezeit zu sein. Die Trauer nach einer negativen IVF entsteht oft aus dem Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben – doch das ist nicht der Fall. Ob Leben entsteht oder nicht, liegt nicht in unseren Händen. Es ist traurig, aber dafür brauchen Sie keine Verantwortung zu tragen.

Es gibt viele Gründe, warum sich ein Embryo nicht einnisten kann.

Als ich das letzte Mal im November wieder einmal in einer Kinderwunschklinik hospitiert habe, fand ich es so wichtig, dass die Ärztin sagte:

Zu 95% liegt es am Embryo selber, ob er sich nach dem Transfer weiterentwickelt oder nicht

Der Embryo entsteht nicht nur aus Ihrer Eizelle, sondern aus der Verbindung zwischen einem Spermium und einer Eizelle. Wie die Chromosomen sich miteinander verbinden, hat weder mit Ihrer Gebärmutter noch mit Ihnen zu tun. Wenn der Inhalt des Embryos nicht einwandfrei ist, kann er sich schwer weiterentwickeln und sich nicht einnisten.

Das Entstehen des Lebens liegt nicht in unserer Kontrolle. Wir können dem Embryo nur eine Möglichkeit zum Leben geben. Ob er diese Chance nutzen kann, entscheidet zum größten Teil seine eigene Biologie.

Natürlich kann man noch mit dem Arzt andere Untersuchungen machen, falls noch nicht geschehen – etwa, ob die Gebärmutter entzündet ist. Aber wenn alles überprüft wurde, können Sie sicher sein, dass es am Embryo liegt.

Es liegt in keinem Fall daran, was Sie während der Wartezeit gemacht oder nicht gemacht haben. Sie tragen keine Verantwortung für das Ergebnis. Diese Klarheit ist wichtig, um die Trauer nach einer negativen IVF nicht zusätzlich mit Schuldgefühlen zu belasten.

Die Psyche spielt keine Rolle bei einer erfolglosen IVF oder ICSI

Manche Frauen sagen mir, dass sie in der Wartezeit zu viel Stress hatten. Sie sagen, dass sie nicht immer positiv gedacht haben. Sie sagen, dass sie nicht immer gut geschlafen haben. Die Psyche kann eine IVF oder ICSI nicht zum Scheitern bringen – das ist wissenschaftlich nicht bewiesen.

Gerade wenn die Trauer nach einer negativen IVF groß ist, suchen viele Frauen nach einem Grund oder nach etwas, das sie „anders hätten machen können“. Aber:
Wenn die Psyche so viel Kraft hätte, wie Sie denken, dann müsste es in beide Richtungen gelten. Das heißt: Sie könnten auch eine Schwangerschaft vermeiden, wenn Sie sie nicht wollen. Die Realität zeigt aber etwas anderes – es gibt viele ungewollte Schwangerschaften.

Ihre Psyche trägt also keine Verantwortung für das Ergebnis.
Sie dürfen entspannt oder unentspannt schwanger werden, hoffnungsvoll oder zweifelnd, ruhig oder gestresst. Das hat keinen Einfluss auf die Biologie der Einnistung.

Die Qualität des Embryo in Deutschland kann nicht bestimmt werden

Selbst wenn der Arzt sagt: „Die Blastozyste sieht sehr gut aus“ sagt das nichts darüber aus, wie sie sich weiterentwickeln wird. Es sagt nur etwas über den bisherigen Zustand des Embryo aus: „Er hat sich bis jetzt gut entwickelt“ ABER: wie es weiter geht, weiß niemand.

Viele Frauen nehmen Schuld auf sich, wenn sie hören, dass die Blastozyste gut aussieht, sich aber bei ihnen nicht weiterentwickelt. Da die Weiterentwicklung im Körper der Frau stattfindet, entsteht der Gedanke, der eigene Körper habe „versagt“.

Doch das stimmt nicht.
Eine gut aussehende Blastozyste bedeutet nicht, dass sie genetisch gesund ist.
In der Kinderwunschbehandlung sieht man nur die äußere Form – nicht die inneren Chromosomen.

Und gerade wenn die Trauer nach einer negativen IVF oder ICSI stark ist, ist dieser Unterschied wichtig:
Ihr Körper ist nicht schuld.
Die Biologie entscheidet – nicht Ihre Gebärmutter, nicht Ihre Psyche, nicht Ihr Verhalten.

Gefühle nach einer fehlgeschlagenen IVF oder ICSI zulassen

Nehmen Sie sich ein paar Tage Ruhe, um der Traurigkeit, Wut, dem Frust, der Enttäuschung, dem Gefühl der Ungerechtigkeit oder anderen Emotionen Raum zu geben. Gerade die Trauer nach einer negativen IVF oder ICSI braucht Zeit, um sich zu zeigen und verarbeitet zu werden. Sie werden sehen: Nach ein paar Tagen wird es Ihnen oft schon ein Stück besser gehen.

Unser psychisches System ist so aufgebaut, dass sich Spannungen lösen, wenn wir Gefühle zulassen und ausdrücken. Wenn wir sie dagegen wegdrücken, geben wir ihnen mehr Kraft – und verlieren dafür die Energie, die wir im Alltag eigentlich bräuchten.

Und ja, Gefühle zuzulassen verändert das Ergebnis der Behandlung nicht. Aber es entlastet Ihre Psyche und hilft Ihnen, den Schmerz zu verarbeiten und innerlich wieder Boden unter die Füße zu bekommen.

Lassen Sie sich, wenn möglich, ein paar Tage krankschreiben – sei es vom Hausarzt oder vom Frauenarzt.
Weinen Sie, wenn Ihnen danach ist, oder entladen Sie Ihre Wut behutsam, zum Beispiel indem Sie in eine Matratze schlagen.
Manche Menschen spüren ihre Gefühle besser, wenn sie mit jemandem darüber sprechen.
Finden Sie den Weg, der sich für Sie richtig anfühlt – einen Weg, der Ihnen hilft, Ihre Gefühle wahrzunehmen und ihnen Raum zu geben.

Gehen Sie in die Natur spazieren. Das entspannt fast immer. Oder tun Sie genau das, was Ihnen sonst hilft, wenn Sie Kraft und Trost brauchen. Diese Wege sind sehr individuell – erlauben Sie sich, das zu tun, was wirklich Ihnen guttut.

Psychologische Hilfe, wenn die Gefühle nach der negativen IVF/ICSI zu überwältigend werden:

Sollte es Ihnen nach zwei bis drei Tagen nicht besser, sondern schlechter gehen, empfehle ich Ihnen, Kontakt mit mir aufzunehmen. Oft bedeutet ein sehr starker emotionaler Schmerz, dass ähnliche Gefühle aus einem früheren Ereignis mitschwingen. Dann wird die Reaktion nach einer negativ verlaufenen IVF stärker, als es der aktuelle Anlass allein erklären könnte.

Häufig ist dieses früher erlebte Ereignis nicht einmal bewusst – es kann aus einer Lebensphase stammen, an die Sie keine konkrete Erinnerung haben. Mit den Methoden, mit denen ich arbeite, kann ich Sie dabei unterstützen, diese tieferen Ebenen der Trauer zu lösen und Ihren emotionalen Zustand wieder zu stabilisieren.

Bei einem negativen Schwangerschaftstest nach einer IVF/ICSI: Sie haben es sich verdient, sich etwas gutes zu tun

Ich empfehle meinen Klientinnen oft, vor Beginn einer Kinderwunschbehandlung eine Liste von Unternehmungen aufzuschreiben, die ihnen Spaß machen und ihnen Kraft und Sicherheit geben – allein oder mit Ihrem Partner. Nun, nach der Trauer über die negative IVF, ist genau der richtige Zeitpunkt, diese Liste hervorzuholen und sich etwas daraus auszusuchen. Sie haben es sich verdient!

Es geht darum, Ihre großen Anstrengungen während der Behandlung zu würdigen. Sie haben alles getan, und es hat Sie viel Kraft gekostet. Sie dürfen stolz auf sich sein, was Sie geleistet haben.
Bitte belohnen Sie sich dafür – nicht erst, wenn es irgendwann klappt, sondern jetzt, wo Sie es besonders brauchen.

Wann und wie geht es weiter nach der fehlgeschlagenen Behandlung mit IVF oder ICSI?

Beginnen Sie die nächste Behandlung erst, wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie beide – Sie und Ihr Partner – wieder genug Kraft haben, um beide möglichen Ausgänge der Behandlung gut verkraften zu können. Nur Sie allein können spüren, wann Sie so weit sind, nicht die Ärztin oder der Arzt.

Die Trauer nach einer negativen IVF kann Zeit brauchen. Genau diese Zeit dürfen Sie sich nehmen, ohne Druck, ohne Vergleiche und ohne Erwartung, sofort weiterfunktionieren zu müssen.

Tipps für die Partner*Innen nach einem negativen IVF- oder ICSI-Versuch:

Bestärken Sie Ihre Frau

Unterstützen Sie Ihre Frau darin, dass sie die Schuld nicht bei sich sucht, indem Sie ihr öfter sagen, dass sie alles richtig und toll gemacht hat. Wiederholen Sie, dass ein Kind nicht nur durch ihre Eizelle und Gebärmutter entsteht, sondern auch durch den Inhalt des Spermiums (siehe oben) und dass niemand sagen kann, woran es liegt – außer sehr wahrscheinlich an der Biologie.

Gerade bei Trauer nach einer negativen IVF oder ICSI ist es wichtig, Schuldgefühle gar nicht erst entstehen zu lassen. Ihre Worte können Sicherheit, Trost und Halt geben.

Erlauben Sie Ihrer Frau zu fühlen, was sie gerade fühlt

Viele Männer fühlen sich hilflos, wenn sie sehen, dass ihre Frau weint. Dabei ist Weinen eine natürliche Entlastung für die Psyche und hilft, den Schmerz zu verarbeiten und loszulassen.
Fragen Sie Ihre Frau, was sie gerade braucht: eine Schulter, eine Umarmung oder vielleicht etwas Ruhe für sich allein. Die Bedürfnisse können sehr unterschiedlich sein. Gehen Sie niemals davon aus, dass sie das braucht, was Sie gerade selbst bräuchten. Frauen und Männer erleben Trauer nach einer negativen IVF unterschiedlich.

Weinen und Wut sind keine Krankheit, sondern normale Reaktionen nach einer Enttäuschung.
Erlauben Sie Ihrer Frau, diese Gefühle auszudrücken, so lange sie sie braucht – das können bis zu drei Tage sein.

Versuchen Sie nicht, sie abzulenken

Vermeiden Sie Sätze wie: „Das wird beim nächsten Mal klappen“ oder „Bald wird es sicher passieren“. Ihre Frau kann in den ersten Tagen gar nicht an die Zukunft denken, sondern spürt den Schmerz, dass es JETZT nicht geklappt hat. Sie braucht Raum, ihre Gefühle zu spüren – und Sie geben ihr genau diesen Raum.

Seien Sie für sie da

Entlasten Sie Ihre Frau von Alltagsaufgaben, wenn sie das wünscht. Männer wollen oft stark sein, wenn die Schwangerschaft nicht eingetreten ist. Sie müssen jedoch nicht den „starken Mann“ spielen, der keine Gefühle zeigt. Im Gegenteil: Ihre Frau könnte denken, sie sei die Einzige, die traurig oder wütend ist. Es ist normal, dass Sie anders fühlen als sie, denn die Einnistung musste nicht in Ihrem Körper stattfinden, und Sie haben keine Hormone eingenommen.

Es geht darum, Ihre Frau nicht allein mit ihrer Trauer nach einer negativen IVF oder ICSI zu lassen. Sie müssen nicht weinen, aber Sie dürfen Ihre Gefühle zeigen und müssen sie nicht verstecken.

Gemeinsam wieder Kraft schöpfen

Nach drei Tagen können Sie fragen, ob sie Lust hätte, etwas Schönes gemeinsam zu unternehmen. Das Leben soll nicht nur aus Kinderwunsch bestehen, dessen Erfüllung man nicht kontrollieren kann. Es soll auch aus schönen Dingen bestehen, die Sie beide aktiv gestalten können.

Nehmen Sie die Liste Ihrer Unternehmungen und setzen Sie gemeinsam etwas davon um. So würdigen Sie die Anstrengungen Ihrer Frau und schenken sich beiden einen Moment des Trosts.

Psychologische Unterstützung nach nicht gelungener IVF/ICSI

Sollte es Ihrer Frau nach 3–4 Tagen schlechter gehen oder nicht deutlich besser, können Sie sie unterstützen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen – wie mich, spezialisiert auf Kinderwunsch und Trauerbewältigung. Ich arbeite mit Methoden, die direkt an die Gefühle gehen und helfen, die Emotionen zu verarbeiten. So kann die Intensität der Trauer nach einer negativen IVF oder ICSI deutlich reduziert werden.

👉Sie können zum Beispiel unter dem Punkt: „Keine Einnistung trotz Guten Blastozysten“ mehr erfahren wie ich in solchen Fällen unterstütze oder wenn Sie schon mehrere fehlgeschlagene Versuchen hatten und das zu sehr an Ihre Kräfte zehrt.

👉Auch unter Psychische Belastung nach Embryotransfer sehen Sie, wie ich Ihre Frau auf den nächsten Transfer psychisch und emotional vorbereiten und stärken kann.

Beispiel eines gemeinsames Rituals zum Loslassen

Vielleicht haben Sie einen Garten oder einen Balkon.
Nehmen Sie eine kleine Feuerschale oder einen Topf zur Hand.
Suchen Sie sich gemeinsam ein Symbol für die Blastozyste – etwas Kleines und Rundes wie eine Filzkugel, eine Wattekugel oder ein Papierknäuel.

Schreiben Sie beide einen persönlichen Abschiedsbrief – an die Blastozyste oder an das Leben, das nicht entstehen konnte.
Schreiben Sie alles auf, was in Ihnen war: Ihre Gedanken und Hoffnungen vor der Wartezeit, Ihre Gefühle währenddessen und das, was Sie jetzt bewegt.

Danach schreiben Sie Ihre Wünsche für die Zukunft auf ein eigenes, separates Blatt Papier.

Lesen Sie sich Ihre Briefe gegenseitig vor, wenn Sie bereit dazu sind.
Erlauben Sie Ihren Gefühlen, da zu sein – Tränen, Stille, Wut, Erleichterung. Alles ist richtig.

Legen Sie dann das Symbol für die Blastozyste, die beiden Briefe und Ihre Wunschzettel in die Feuerschale und entzünden Sie die Papiere achtsam.
Schauen Sie gemeinsam auf das Feuer. Während das Feuer brennt, können Sie – wenn es sich stimmig anfühlt – Worte wie diese sprechen:

„Lieber Blastozyste, danke, dass du da warst und versucht hast zu wachsen.
Wir haben dich gesehen. Du warst wichtig für uns.
Wir haben uns auf dich gefreut und dich schon in unseren Herzen getragen.
Nun hat deine Biologie anders entschieden.
Wir lassen dich los – in Ruhe und in Frieden.
Wir vergessen dich nicht.
Wenn du möchtest, kannst du zu unseren Ahnen gehen, denn auch du gehörst zu unserer Familie.
Wir schauen nun nach vorn und hoffen, dass du vielleicht eines Tages Geschwister bekommst, die bei uns bleiben dürfen.“

Bleiben Sie einen Moment gemeinsam beim Feuer.
Oft entsteht dabei ein Gefühl von Verbundenheit, Ruhe und einem kleinen Schritt nach vorne.

Psychische Hilfe nach einer negativen ICSI/IVF

Ich hoffe, dass diese Tipps Ihnen helfen, die Trauer nach einer negativen IVF oder ICSI zu verarbeiten.
Wenn Sie als Paar oder als betroffene Kinderwunschpatientin Begleitung brauchen, bin ich gern für Sie da – mit meinem ganzen Herzen, Empathie und wirksamen Methoden, um Sie durch diese herausfordernde Zeit zu unterstützen.